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Brot und Wein | Conrad Gille | face2face


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Lebensgeschichte von Conrad Gille, Leiter und Pastor der face2face Gemeinde in Euskirchen:

Nur nicht einer von diesen «Schlipsern» werden! Damit meint Conrad Gille Leute mit Anzug und Krawatte. Sein Motto: «Live fast – die young!» Also: lebe schnell – stirb jung! Mit 12 raucht er das erste Mal Haschisch, bald kifft er jeden Tag. Mit der Clique lebt er in besetzten Häusern, stiehlt und ist mit der Gaspistole unterwegs. Er braucht den Nervenkitzel!

Zwei Jahre später hustet Conrad Gille schon Blut wegen der vielen Zigaretten und muss zum Arzt. Eine Untersuchung ergibt, dass er nur noch 30 Prozent seines Lungenvolumens besitzt. Conrad muss raus aus seiner gewohnten Umgebung, meinen die Eltern. Durch einen Bekannten seines Vaters verbringt er ein knappes Jahr in Südafrika. Dort hat er zwar Abstand von der «Szene», aber Marihuana ist dort besonders leicht und vor allem billig zu beschaffen.


Zurück in Deutschland

Als er mit beinahe 16 Jahren zurück nach Deutschland kommt, stellt er fest: Fast alle seiner Kumpels sind heroinabhängig geworden. Die harten Drogen hatte er eigentlich immer abgelehnt. Doch irgendwann sitzt er in einem Fastfood-Restaurant und zieht sich ein weisses Pulver in die Nase. Heroin! Im trügerischen Schimmer dieser Droge scheint er das zu finden, was er immer gesucht hat: Liebe, Nähe, Vertrauen und Glück.

Doch langsam zeigt sich das wahre Gesicht dieses «Wundermittels»: Aus Annahme, Wärme und Freundschaft wird Gier, Egoismus, Hass und Betrug. Von einigen Freunden erfährt er, dass sie im Knast oder in der Therapie gelandet sind. Er hört sogar von Toten. Einer, den er gut kannte, ist im Bett verbrannt, weil er im Rausch seine glimmende Zigarette nicht mehr bemerkte. Auch Conrad Gille springt dem Tod noch einmal von der Schippe, als er bei einem Entgiftungsversuch zu Hause eine Überdosis Tabletten schluckt.

Im Griff der Droge

Nach vielen erfolglosen Entgiftungsversuchen ist Conrad Gille jetzt «voll drauf». Er lebt nur noch für den «Stoff». Bereits nach drei Stunden hat er Entzugserscheinungen: Zittern, Halluzinationen, Schüttelfrost, Erbrechen. Er spritzt sich mittlerweile in Beine und Füsse, weil die Arme schon völlig zerstochen sind. Er braucht bis zu 100 Euro täglich, um sich die Drogen zu besorgen. Seinen Eltern bleibt das alles nicht verborgen, sie stehen hilflos daneben und können ihrem Sohn nicht helfen. Conrad Gille ist erst knapp 19 Jahre alt.

Seine Mutter erzählt von einem Therapiezentrum, in dem es bis zu 76 Prozent Erfolgsquote gibt. Das kann er kaum glauben. Als er hört, dass es eine christliche Einrichtung ist, rebelliert er: «Igitt, die spinnen doch alle! Gott gibt’s doch gar nicht, das kann man nur alleine schaffen!» Trotzdem entscheidet er sich für dieses Zentrum, allerdings nur mit dem festen Vorsatz: «Mit ihrem Glauben kriegen die mich nicht!»

Am Tag vor der Therapie knallt er sich noch eine Überdosis in die Vene, er möchte ein letztes Mal noch einmal so richtig  «high» sein. Die darauf folgende Entgiftung wird für ihn zur allerschwersten: sie dauert vier Tage, trotz krampflösender und schlaffördernder Medizin. Danach müssen die Ärzte ihn füttern, weil er noch nicht einmal seine Hand zum Mund führen kann.

Neuanfang

Nach zwei Wochen ist er mit dem Schlimmsten durch und kommt im Rahmen der Therapie im Mai 1999 auf die Insel Fehmarn. Hier gibt es Gottesdienstpflicht. Einmal im Monat muss er mit der Gruppe etwas weiter weg in eine andere Gemeinde. Dort hat er das Gefühl, dass er nun ganz unter die Irren geraten ist. Die Leute klatschen, tanzen und singen mit erhobenen Händen oder knien auf dem Boden. «Ich hielt es kaum dort aus. Innerlich schrie ich: 'Es gibt keinen Gott!' Ich wollte raus rennen, aber aus ungeklärten Gründen fühlte ich mich wie am Boden angewurzelt.»

Ein paar Wochen später geht Conrad Gille nach einer Abendandacht noch nach draussen, um eine Zigarette zu rauchen. Es ist eine sternklare Nacht und er blickt zum Himmel. Auf einmal überkommt ihn eine Freude, wie er sie noch nie erlebt hat. Liebe und Wärme durchfluten sein Herz: «Es war so echt, so rein, so sauber, so bedingungslos. Einfach eine pure, selbstlose Liebe.»

Gleichzeitig hat er eine völlig neue Gewissheit in seinen Gedanken: Gott gibt es wirklich und er liebt mich! Noch am selben Abend legt er dort, allein auf dem Raucherplatz, sein Leben in die Hände von Jesus Christus. Dass man das machen kann, hatte er in diesen Gottesdiensten gehört.

Stärker als der Tod

Doch sein frischgebackener Glaube wird sehr bald deutlich geprüft. An einem Sonntagnachmittag bekommt er einen plötzlichen «Suchtdruck». Ein übermächtig starkes Verlangen nach der Droge nimmt sein ganzes Denken und Fühlen in Beschlag. Er liegt im Bett, zittert und schwitzt, wirft sich hin und her, und das, obwohl er körperlich schon längst clean ist. Er kann nur noch an Heroin denken und sieht ständig eine imaginäre Spritze vor Augen. Er spürt: Er ist zu schwach, um sich allein dagegen zu wehren!

Dann erinnert er sich daran, wie Leute ihm sagten, dass Jesus Gefangene befreit. Und im Moment fühlt er sich definitiv gefangen! Also ruft er: «Jesus, du musst mir jetzt helfen, denn ich kann es nicht allein, ich habe keine Kraft!» – Augenblicklich kehrt ein unbeschreiblicher Frieden in das Zimmer ein. Alles in ihm und um ihn herum wird ruhig. Verschwunden das Verlangen, verschwunden die Spritze vor seinen Augen. Staunend dreht er sich um und schläft ein.

Zwar ist das erste Jahr nach der Therapie von Höhen und Tiefen gekennzeichnet, doch hat er nach diesem Sonntag nie wieder «Suchtdruck». Sein bisher chaotisches Leben kommt langsam in Ordnung.

Das «Ende mit 19» wird für ihn zu einem neuen Anfang: 2002 heiratet er Justyna, einige Jahre später bekommen sie eine kleine Tochter. Nach dem Abschluss einer Bibelschule in den USA ist er heute Leiter einer kleinen Gemeinde in Euskirchen, Deutschland (www.fatofa.org).